Latest Publications

Willkommen

Der Blog +entwicklungschweiz.ch das Zukunftslabor” soll aktuelle Fragestellungen aufgreifen, die Situation – so wie ist ist – darstellen und das, was passiert kritisch hinterfragen. Alle Personen in der Schweiz sind eingeladen, sich mit Beiträgen und Ideen am Entwicklungsprozess der Schweiz zu beteiligen.

Prozesse der Politik

wie kann der Politikprozess in der Schweiz verbessert werden?

Die Schweiz wählt am 23.10.11. Die Hoffnungen auf eine Verbesserung und Beschleunigung der demokratischen Prozesse sind vorhanden. Die Polarisierung der Parteienpolitik wird weiter gehen und die inhaltliche Diskussion akuter Probleme wird nach wie vor unter der Personalisierung und der Skandalisierung über die Medien leiden.

Es ist gewählt und die Mitte ist gestärkt. Doch, je nach Thema, kann es unterschiedliche Koalitionen geben. Das heisst, dass die Stärkung der Mitte dazu führen kann, dass die anspruchsvollen Themen der nächsten vier Jahre inhaltlich noch weniger Vorwärtsdrang haben. Die Schweizer sind nur zu rund 48% an die Urne gegangen; eigentlich bedenklich. Jetzt geht bis Weihnachten der Kampf um die Positionierung zu den Bundesratswahlen los. Für andere Themen wird wohl wenig Zeit übrig bleiben.

Es ist offensichtlich geworden, dass die WählerInnen vor allem Kandidaten abgewählt haben, die für ein strenges Rechtssystem einstehen. Gewählt wurden vor allem jene Kräfte, die für ein Engagement für die Umwelt stehen. Das ist ja ermutigend….als Themen stehen im Zentrum: das Bildungssystem Schweiz (Vorschläge für einheitliche Lösungen) und die Raumplanung Schweiz (übergreifende Raumkonzepte). Mehr Information bei www.vimentis.ch

Die Umweltverbände haben im Nationalrat seit den Wahlen am meisten Interessenvertreter. Die Wirtschaftsvertreter sind zurückgefallen. Laut NZZ am Sonntag vom 30.10.11 sieht die Liste wie folgt aus. An der Spitze sind: Oeffentlicher Verkehr (30), Umweltverbände (26), Energiewende (25), Bauern (24), Gewerkschafter (21), Wirtschaftsverbände (19), Finanzwirtschaft (17), Entwicklungshilfe (17), Medien (15), Hauseigentümer (14). Am Schluss der Liste stehen: Patienten (4), Aerzte (6), Pensionskassen (6), Mieter (7), Auto (7), Behinderte (8), Atomindustrie (8), Spitäler/Kliniken (9), Hauseigentümer (14). Eine Art Spiegel der nicht bewältigten Probleme wird sichtbar und lässt für die nächsten vier Jahre nur hoffen…

Jetzt gibt es eine Liste zu den wichtigsten Reformvorhaben für 2012 bis 2015, publiziert von Avenir Suisse. Die Liste basiert auf  Umfragen bei Oekonomen aus der Schweiz.  An der Spitze der Themen steht das Thema “Schuldenbremse in der Sozialversicherung”. Auf den weiteren Plätzen bis 10 folgen: Vereinfachung der Mehrwertsteuer, AHV und berufliche Vorsorge, Reform Unternehmenssteuern, Wettbewerb im Gesundheitswesen, leistungsabhängige Mobilitätsabgabe im OEV und PV, Rahmenabkommen mit der EU, Individualbesteuerung und Raumplanung.

Alle Themen sind seit Jahren bekannt und harren einer Lösung im Parlament. Bei der “neuen Zusammensetzung” mit Verstärkung der Mitte kann nicht viel erwartet werden, welches neue Lösungen bietet. Das Treten an Ort mit dem bekannten “rasenden Stillstand” wird sich wahrscheinlich fortsetzen. Eigentlich ein gutes Zeichen, weil es der Schweiz vor allem dann gut geht, wenn der “rasende Stillstand” anhält.

Aktuell – 1.3.12 – ist die Auseindersetzung mit den USA in Bezug auf die Steuerabkommen. Man darf gespannt sein…. auf jeden Fall wird der CEO Raiffeisen schon auf Distanz gehalten, weil er sich getraut eigenständig zu denken. Klar ist, dass eine Weissgeldstrategie verbunden sein muss mit Top Service, mit höchster Qualität der Produkte und mit innovativen Lösungen für die Kunden. Eigentlich alles Dinge, die der Schweizer Kultur bekannt sind. Fraglich ist nur, ob sich solche Aspekte mit dem Hang zum Abzocken vertragen. Weiter ist interessant zu beobachten, was passiert, wenn sich die Schweiz mit den USA auf den automatischen Datenaustausch verständigt hat. Die europäischen Staaten werden wachsam sein und es bleiben. Was aber, wenn der Finanzplatz sich neu gefunden hat und auf einem anderen Niveau spielt?  Wo liegen die nächsten Herausforderungen für die Schweiz? Es ist sicher gut, wenn die Rohstoffhändler und -Produzenten in ihrem Tun schärfer beobachtet werden.

Land in Sicht

wie kann die Zersiedelung der Schweiz eingedämmt werden?

In der Schweiz wird pro Sekunde 1m2 Land verbaut. Das ist ein Zustand, der gebremst werden muss. Viele Gründe führen dazu, dass der Prozess des Verbauens so läuft, wie er läuft. Es geht um die Raumplanung, Bauzonengestaltung, die Verdichtung der Bauvorhaben oder die “kalten Betten”, die es neuerdings auch in der Stadt Zürich gibt. Dieses Problem ist also nicht nur auf die bekannten Tourismusregionen zu beziehen. Die Gesamtproblematik hat viel mit der Gemeindeautonomie und der Besteuerung von Landverkäufen zu tun.

Der neuste Bericht von Wuest und Partner weist darauf hin, dass es im Schweizer Immobilienmarkt Geldwäscheraktivitäten gibt. Die Unterstellung von Maklern unter das Geldwäschergesetz wird abgelehnt. Die Banken sollen dafür sorgen, dass die Sorgfaltspflicht bei der Ueberprüfung der Geldherkunft verbessert wahrgenommen wird. Wichtig sind auch die “intelligenten Konstruktionen”, zB über die Gründung von Aktiengesellschaften, die es schwierig machen die Herkunft der Investitionen nachzuvollziehen.

Bildungsszene Schweiz

Wie kann das Schul- und Berufsbildungssystem in der Schweiz verbessert werden?

Die Schweiz verfügt über ein sehr gutes Bildungssystem. Dieser Umstand wird häufig wiederholt und gelobt, sei es in nationalen und internationalen Studien.

Sicher ist, dass das Duale Bildungssystem eine gute Grundlage für einen guten Bildungsstand bildet. Andererseits wird von Experten bemängelt, dass der Akademikeranteil in der Schweiz zu klein ist. Zu den 15% Jugendlichen, die die Matura absolvieren kommen noch 11% Berufsmaturitäten dazu und weitere 29%, die eine höhere Berufsbildung absolvieren. Das sieht vernünftig aus. Vor allem gibt es fast keine Jugendarbeitslosigkeit – im Unterschied zu Ländern mit höchsten Maturitätsabsolventen und PisaSpitzenreiter – , die Fachhochschüler sind in der Wirtschaft sehr willkommen. Es gibt zu wenig Ingenieure und Informatiker aber zu viele Geisteswissenschafter. Viele Firmen beklagen sich immer mehr, dass sie bei der Rekrutierung “Probleme” haben, weil die Schulabgänger die Anforderungen nicht erfüllen. Es sei vor allem auch ein Motivationsproblem bei den Jugendlichen. Weiter stellen wir fest, dass bei den Schulabgängern 17% unter “funktionalem Analphabetismus” leiden – also weder rechnen, schreiben noch lesen können. Ein weiteres Problem ist die Kompatibilität und die ungerechte Titeläquivalenz gegenüber dem Ausland. Wir müssen dem Erreichten Sorge tragen und das Bildungssystem kontinuierlich weiter entwickeln.

Zu denken gibt auch die Gewichtung der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technologie). Alle Lernenden in der Schweiz werden jährlich zu ca 1.5% mit diesen Fächern konfrontiert, obwohl es Ingenieurmangel gibt (neuster Zeit gibt es zwar wieder mehr Ingenieurstudenten). Die Lehrpläne an den Mittelschulen legen das Schwergewicht klar auf die Sprachen und die Lehrer und Schüler sind von der Art und Weise des Matheunterrichts frustriert. Das muss geändert werden.

Seit Jahren lesen wir davon, dass die Tagesstädten für Kinder nicht so zur Verfügung stehen, wie es sein sollte; zB eine einfache Organisation des Tagesablaufs, etc. Da tun sich viele Gemeinden schwer. Es ist weiter nicht verwunderlich, dass immer mehr Eltern – welche es sich leisten können – ihre Kinder in die Privatkindergärten und Tagesstädten geben, weil sie wissen, dass der Nachwuchs gut aufgehoben ist und gefördert wird. Wenn über 50% der Schüler in Therapie sind, dann ist etwas “faul im Staate”. Es stimmt doch nicht, dass die Kinder heute so anders sind, dass sie therapiert werden müssen. Es haben sich die Normen verändert, nach den entschieden wird, ob ein Kind in die Therapie soll oder nicht. Es ist immer weniger klar, was normal ist und was nicht.Was wird denn so therapiert? Psychomotorik, Rechenschwäche, Legasthenie, Ergotherapien, …..wenigstens sind die Therapeuten ausgelastet.

In der Szene der Fachkräfte geht man aktuell davon aus, dass 15 000 Ingenieure und MINT-Experten fehlen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technologie). Im Kanton Zürich geht man davon aus, dass bis in 6 Jahren 8 000 Informatiker fehlen. Insgesamt geht man für die Schweiz von 32 000 fehlenden IT-Spezialisten aus. Die Stadt Zürich will zu einer Informatikhochburg werden und “rüstet auf” – Imageförderung, Motivation der Firmen Lehrstellen zu schaffen, die Verbesserung der Lehrpersonen und die Unterstützung der Jugendlichen bei der Berufswahl stehen auf dem Programm.

Die öffentlichen Ausgaben für die tertiäre Ausbildung stagnieren seit 2004. Gleichzeitig hat die Zahl der Studierenden stark zugenommen. Es stehen also weniger Mittel zur Verfügung, was zu einem Verteilkampf führt.  Das erklärt auch die teuren Marketingkampagnen von Hochschulen, verbunden mit einer Ausweitung des Angebots. Anders gesagt: es wird mehr auf Quantität als Qualität geachtet. Die Anzahl Studierender ist kein Wert an sich. Die Frage ist, ob die Absolventen richtig eingesetzt sind und wieviele das Studim abschliessen. Das ist ernüchternd. In der Schweiz brechen 30% das Studium ab und 20% sind nach Abschluss nicht adäquat beschäftigt. Die Hälfte kommt also nicht beim Ziel an. Die Qualität könnte mit einem sinnvollen Wettbewerb unter den Institutionen, mit einer nachlaufenden Studiengebühr und mit der Arbeitsmarktorientierung verbessert werden. Die Abgabe  – Bundessteuer – richtet sich an der Anzahl absolvierter Semester aus. Zu lange studieren, was studiert werden soll, würde eingeschränkt. Wenn wir wissen, dass Absolventen eines Studiums rund 59% mehr verdienen als Absolventen einer Berufsausbildung, dann kann die Abgabe ohne weiteres verantwortet werden. Bei einem Einkommen von rund CHF 120 000.- wäre die Abgabe über die Bundessteuer ca CHF 4 580.-. Die Anbindung an einer Abgabe wäre ein Beitrag zur Steigerung der Qualität.

Die neusten Einsichten in die Pisaergebnisse der Schweiz sind vor allem für den Kanton Zürich ernüchternd. Die Schweiz liegt seit Jahren nur im oberen Drittel der Rangliste. Der Kanton Zürich ist  – trotz oder wegen der vielen Reformen – sogar unter dem Schweizer Durchschnitt bzgl Lesen, Rechnen und Naturwissenschaften.  Ein Fünftel der 9.Klässler ist nicht in der Lage, einfachste Texte zu verstehen oder einfache Rechenaufgaben zu lösen. Die Ausrede “der vielen Ausländer im Kanton Zürich” gilt auch nicht. Auch wenn die Ausländer rausgerechnet werden, bleibt nur Durchschnitt übrig. Wahrscheinlich fehlt es bei uns auch daran, besser werden zu müssen. Die Bildungsexperten beschäftigen sich mit der Definition von Standards und Messgrössen. Die Leistungen in den Klassen driften aber immer weiter auseinander. Das ist bedenklich. Trotzdem rühmen wir uns im Lande, dass wir ein herausragendes Schulsystem haben.

John Hattie hat 138 Einflussgrössen international bezüglich Lernerfolg untersucht.  Zu den Negativfaktoren gehört der übertriebene Fernsehkonsum der Kinder – in der Schweiz liegt der Fernsehkonsum über alles bei rund 2,5 Stunden pro Tag – Die zentralen, positiven Faktoren sind die Lehrer, die Schüler und die Eltern. Die Schule als System schliesst schlecht ab. Es wird mit klaren Lernzielen mit methodischer Freiheit gearbeitet. Es ist weniger wichtig, welche Schule ein Schüler besucht. Gute Lehrer haben ein hervorragendes Fachwissen, welches sie methodisch geschickt umsetzen können. Die Eltern unterstützen die Kinder und leiten sie zum Lernen an. Uebung macht den Meister. Die Schule ist kein Wohlfühlinstitut, es müssen auch unangenehme Dinge gelernt werden, auch wenn die Anforderungen hoch sind. Es ist schon erstaunlich, dass zu viele Schüler nach 9 Jahren einfachste Dreisatzrechnungen nicht lösen können, trotz 1000 Stunden Rechnen mit Kosten von CHF 100 000.– (Eine Treppe hat 14 Stufen und eine Gesamthöhe von 252cm. Wie hoch ist jede Stufe?) Die Ausrichtung “Harmos” geht sicher in die richtige Richtung – die Politik ist einmal mehr zerstritten und kümmert sich lieber um den Sexualkundekoffer für den Kindergarten. Es braucht nicht so viele Reglementierungen für die Schulentwicklung, sondern Freude, Verantwortungsbereitschaft sowie klare Zielgrössen. Der aktuelle Aktionismus erreicht die Schule im Alltag nicht. Wenn das so weiter geht, dann geht es nicht so weiter….

“Du sollst in Gymnasium gehen” …. ist wiederum ein Satz der Eltern, den die Kinder hören. In der Schweiz haben wir einen Anteil von 20% Gymnasiasten. Der Zuwanderungsdruck schlägt sich auch bei den GymiKandidaten nieder. Die privaten Ausgaben für Privatschulen und Nachhilfestunden steigen jährlich. Es wird munter eingeübt, die Anforderungen und die Art der Prüfungen  sind bekannt; eigentlich beste Voraussetzungen die Prüfung zu überstehen. Mehrere Tausend stellen sich der Aufnahmeprüfung und die Hälfte wird wiederum nicht bestehen. Für viele Eltern ein Albtraum, der so nicht berechtigt ist. Wie viele “Studierte” und in welchen Bereichen braucht das Land? Nicht unbedingt das, wonach die jungen Leute streben. Das Berufsbildungssystem bietet Durchlässigkeit und das duale System ist ein Erfolgsfaktor. Doch das Statusdenken, die fehlenden Informationen und die Erwartungen – die Jungen sollen mal mehr verdienen und einen besseren job haben – leiten viele Eltern fehl. Wenn wir den Erfolg am erarbeiteten Reichtum messen, dann sind unter den Millionären rund 20% Akademiker und 5% Doktoren. Viele machen ihren Weg in unterschiedlichsten Bereichen selber. Der reichste Schweizer – IKEA Besitzer – war einst Schreiner; ein Beispiel nebst vielen anderen…..also vom Statusdünkel loslassen und die Kinder lernen lassen, was sie begeistert. Der Erfolg wird nicht ausbleiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Innovation

was kennzeichnet ein innovatives Unternehmen?

Flache Hierarchien, die Innovationsprozessbeherrschung und die Vernetzung mit Lieferanten, Kunden und Hochschulen sind klare Merkmale, die aber auch mit überdurchschnittlichem Umsatzwachstum in Verbindung stehen. Die Hochschule Luzern hat eine Typologie in einer empirischen Studie entwickelt. Es gibt “Innovationskulturführer”, bei welchen die Mitarbeiter Innovationen mit radikaler Leidenschaft und mit Freiräumen verfolgen. Die “suchenden Innovatoren” haben mit externen Partnern primär Kontakt um die Produkte zu verbessern. Die “Selbstinnovatoren” gehen davon aus, dass das beste Wissen intern vorhanden sei, externe Anstösse also kaum nötig seien. Beim “Innovationsnovizen” besteht wenig Interesse für Innovationen. In der Schweiz haben die KMUs deutlich zu wenig Kontakte mit den Hochschulen. Aktuell – in einer Studie des Deutschen Bundesverbands für Industrie – liegt die Schweiz unter 29 Industrienationen an erster Stelle, gefolgt von Schweden und Singapur, vor Deutschland. Die Begründungen sind die starke Wirtschaft, die gute Bildung und die direkte Demokratie. Allerdings ist die Schweiz bei den Patentanmeldungen auf die 4. Position zurückgefallen und liegt bei der Umsetzung von Patenten sogar im europäischen Mittelfeld.

KMU-Förderung

wie können KMUs schnell und wirkungsvoll unterstützt und gefördert werden?

Für die KMUs gibt es aktuell ein Förderungsprogramm bei der Innovationsagentur. In der Zeit vom 13.10.11 bis zum 31.12.11. können Innovationsschecks ausgelöst werden. Für die Begleitung stehen Innovationscoaches zur Verfügung. In der Krise des starken Frankens werden Arbeitsplätze ins Ausland verlegt, es wird länger gearbeitet etc. Die rund 300 000 KMUs bilden nach wie vor das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Es wird sich im Frühjahr 2012 zeigen, ob die Schweiz in eine Rezession gerät oder nicht.

Weiter ist bei den KMUs zu berücksichtigen, dass diese zu 65% einen Mangel an Fachkräften beklagen (die Grossfirmen zu 80%) und dass die KMUs zu 59% Hochschul- und Fachhochschulabgänger aus dem EU-Raum einstellen (die Grossfirmen zu 94%).

Beim aktuellen Eurokurs von CHF 1.20 spitzt sich die Lage für exportorientierte Firmen in der Schweiz zu. Immer mehr wird von Verlagerungen ins Ausland und von der Streichung von Stellen in den Medien berichtet. Die Frankenstärke wird besonders kleinere und mittlere Firmen treffen. In der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie wird mit einem Verlust von 10 000 Stellen gerechnet. Jede vierte Firma prüfte im letzten Winter eine Verlagerung von Arbeitplätzen ins Ausland. Swissmem geht davon aus, dass der Franken  noch rund 10% überbewertet ist. Was passieren wird, hängt von der EU-Schuldenkrise, wie stark sich der Franken abwertet und vom Konjunkturverlauf ab.  Die andere Seite der Schweizer Wirtschaft ist die Innovationskraft. Seit 1997 entstanden 650 000 neue Stellen. Eine gute Voraussetzung dafür, dass die Schweiz trotz allem mit einem “blauen Auge” davon kommen könnte. Die Entwicklung von Arbeitsplätzen sehen die Arbeitgeber für 2012 wie folgt: Ausbau beim öffentlichen Sektor, dem Gesundheits- und Sozialwesen, bei Dienstleistungen für Unternehmen, bei Uhren, Logistik, Informatik-Telecom und bei der Autobranche. Abbau bei: Energiever- und Entsorgung, Banken und Versicherungen, Medien, Textil, Elektro, Materialien und Baustoffe, etc

Eîne Trendwende ist in Sicht. Die Arbeitslosigkeit steht neu bei 2,9% und die Konsumausgaben gehen zurück – 5%  im Detailhandel – Die Preise sind zwar minimal gesunken. Die neuste SECO-Studie zeigt allerdings, dass zu viele Importeure die Währungsgewinne nicht weiter geben. Es fahren aber immer mehr Schweizer ins Ausland für den Einkauf. Dies nicht nur bei Personen, die grenznah wohnen. Die Politik befindet sich “im rasenden Stillstand” – es wird sehr viel geredet und sehr wenig nachhaltig und schnell umgesetzt. Die Meldungen über Entlassungen häufen sich täglich – per 9.11.11 sind von Schweizer Firmen im In- und Ausland rund 6000 Stellen angekündigt, die gestrichen werden. Der Druck auf die Nationalbank nimmt zu und erste Signale zur Verteidigung des CHF sind gesetzt ….. der Kurs zum Euro liegt – ohne Intervention bei rund 1.24 …. das SECO rechnet mit rund 40 000 zusätzlichen Arbeitslosen

In der Schulden- und Währungskrise sind wieder Familienunternehmen gefragt, die mit ihrem eigenen Geld in der Firma investiert sind. Bei den rund 80% KMUs, die von Familien gesteuert sind ist die Optik nicht das nächste Quartal und der eigene Bonus. Es geht um die Entwicklung über Generationen hinweg. Wegen dieser langfristigen Orientierung und dem Engagement mit eigenem Geld gelingt es den KMUs immer wieder die Krisen gut zu überstehen. Die Verbindung von sozialer Verantwortung mit wirtschaftlichem Erfolg ist ein Schlüsselfaktor. In der Schweiz ist das Familienmodell das Aelteste und mit Abstand das am weitesten verbreitete Modell. Die stakeholders sind gut beraten das Familienmodell im Hinterkopf zu behalten und einen Beitrag bei der Nachfolgeregelung zu leisten.

Neuste Studien – NBER Working Paper 17850 – zeigen, dass es schlecht geführte KMUs gibt. Bei den Familien geführten KMUs häufen sich die Fälle von Missmanagement. Am erfolgreichsten sind Firmen mit vielen Aktionären. Die Gründer von Familienunternehmen verfügen häufig nicht über jene Qualifikationen, die nötig sind, wenn Wachstum eingesetzt hat. Häufig genügen auch die nachfolgenden Kinder nicht, um die Anforderungen zu meistern. In der ersten Generation folgen Unternehmer nach, ab der zweiten studieren die Kinder ein anderes Fach und interessieren sich wenig für die Firma, aber mehr für das Geld und in der dritten Generation studieren die Jungen Kunstgeschichte. Schliesslich wird auch klar, dass die alt eingesessenen Firmen über Kapital verfügen, so dass sie auch dann länger überleben, wenn sie schon lange nicht mehr effizient sind.

 

Ethik in der Wirtschaft

wie kann das ethische Verhalten in der Wirtschaft verstärkt und gefördert werden?

Die Eskapaden in der Finanzwirtschaft mit Steuerbetrug und Steuerhinterziehung im internationalen Geschäft sind Zeichen eines Wirtschaftsverhaltens, das weitere Kommentare überflüssig macht. Die Monethik ist, in Kombination mit dem Abzockerverhalten, ein Weg, der sich in den letzten Jahren zum Nachteil des Mittelstandes etabliert hat. Selbst die Spekulation gegen die eigene Währung oder bei Rohstoffen inkl. Nahrungsmittel  ist für Wirtschaftskriminelle keine Tabuzone (das Zentrum des Rohstoffhandels ist Genf). Die Tatsache, dass in der Schweiz jährlich 2 Millionen Tonnen nicht verkaufte Esswaren weggeworfen werden ist schlicht unhaltbar; im Detailhandel sollen es allein 250 000 Tonnen sein.

In der Finanzwirtschaft scheint sich ein Wandel anzuzeigen. Im Jahr 2011 haben Banken rund 10 000 Stellen abgebaut. Der Regulierungs- und Margendruck wird stärker. Die Weissgeldstrategie lastet stark auf der Vermögensverwaltung. Booz & Company schätzen, dass es zu einem Abfluss von CHF 47 Mrd kommt. Die Boniparty scheint auch vorbei zu sein. Doch die Stellensuchenden Banker zeigen wenig Einsicht für deutlich tiefere Saläre. Wir können davon ausgehen, dass die Markt- und Lohnkonditionen falsch eingeschätzt werden; es fehlt an Einsicht, Motivation und Druck. Drei Dinge, die für nachhaltige Veränderungen eine Voraussetzung darstellen. Das bisherige Durchschnittssalär eines Bankers lag in der Schweiz 2010 bei brutto CHF 9 357.– ; der Medianlohn bei CHF 5 979.–. Bei Direktionsmitgliedern lag der Lohn zwischen CHF 180 000.– und CHF 220 000.– pro Jahr. Es muss mit Lohneinbussen bis 20% gerechnet werden.  Die Lebensstile der Banker sind längst an die Einkommen angepasst. Die Frage stellt sich auch, wofür die Banker überhaupt gebraucht werden können…..eine Antwort dazu dürfte generell schwierig sein.

Die älteste Privatbank der Schweiz existiert nicht mehr. Wenn ich die Worte des “grossen Vorsitzenden” noch im Ohr habe, dann ist das doch eher überraschend. Oder; “die Worte hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube”. Neu verfolgt die schweizerische WEKO bei Banken  den Verdacht, dass international – selbstverständlich mit Schweizer Beteiligung – Zinsabsprachen (Libor) getätigt worden sind. Es ist wirklich nicht mehr nachvollziehbar, was sich auf den Teppichetagen der Bankinstitute abspielt. Nebst der  schon lange bekannten Mithilfe zur Steuerhinterziehung und Steuerbetrug mit Verurteilung von Bankern in den USA folgt jetzt noch das Thema “Absprache”. Dazu ist jeder Kommentar überflüssig. Doch die Schweizer Politik hofft nach wie vor auf eine schnelle allgemeine Regelung dieser kriminellen Taten. Vielleicht schon ein bisschen naiv. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt…..

 

WP SlimStat